Getting Older

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Seit dem ich die 30 erreicht habe,  ist nun schon eine Weile vergangen. Und lange habe ich darüber nachgedacht (genauer gesagt 1 Jahr), ob ich überhaupt über dieses Thema schreiben soll. Das eine Frau über das Älterwerden philosophiert oder jammert, ist schließlich nix Neues. Aber ich möchte gerne über meine Perspektive schreiben und was eine Zahl mit mir gemacht hat.

Schon an dem Tag meines 30. Geburtstags fingen die Kommentare und guten Ratschläge an (ok teilweise auch schon davor aber da hat es mich noch nicht so gekümmert). Mit 30 ist man beruflich gefestigt, man sollte eine Familie haben oder zumindest verheiratet sein. Der Bausparvertrag kommt endlich zur Anwendung und man tauscht die Möbel der Studentenbude in Hochwertigere um. Es gibt noch viele weitere Klischees. Leider. Und für Alle die diesen oder Ähnliche Wege gerne gehen, ist es auch vollkommen in Ordnung. Nur bin ich all das nicht! Ich bin Single, lebe mit IKEA Möbeln, bin beruflich noch nicht zufrieden und schon gar nicht am Ziel und Kinder waren für mich noch nie ein Thema bevor ich 35 werde. Und wisst ihr was? Ich fühle mich wohl damit! Ich hatte nicht das Gefühl etwas zu verpassen. Schließlich liegt der meiste Teil meines Lebens ja noch vor mir. Ich genieße es die Freiheit in meiner eigenen Wohnung zu haben und nicht gebunden zu sein. Ich muss zwar für meine Oma einiges erledigen und dann gibt es auch noch die Ratten, aber all das ist nicht zu vergleichen mit einer eigenen Familie.

Es wäre Alles so toll, wenn da nicht die schrägen und vorwurfsvollen Blicke von Verwandten und Freunden mit und ohne Kindern wären. Einem wird schnell sugeriert das man sein Leben nicht auf die Reihe bekommt, egoistisch, verantwortungslos wäre und das man sein Chancen vergeudet hätte. Und ganz schlimm sind Andeutungen an die tickende Uhr. Besonders düster wenn man eine Verwandtschaft hat, für die es zum Unterhaltungsprogamm gehört über einen herzuziehen. Aber was würde sich für diese Personen ändern wenn man dem klassischen Bild entspräche? Genau, gar nichts! Also warum sich schlecht fühlen nur um einem Bild zu entsprechen, das so überholt ist wie das Schnurtelefon? Es sprechen doch immer alle davon das der klassische Lebenslauf abgelöst wird durch individuellere Wege.

Meine 30 war kein Juhu

Aber mir ist genau das passiert. Mit dem Start in die 30er wurde ich depressiv und rutschte sogar in eine Depression. Etwas von dem ich nie gedacht hätte das es mir passiert. Ich hatte plötzlich das Gefühl meine 20er verschlafen zu haben und  das Alles was ich erreicht hatte nichts wert ist. Ich hab mich plötzlich zu alt für Social Media und dem Bloggen gefühlt. Zu alt um einfach mit Freunden Spaß zu haben. Ich hatte Gedanken das ich besser versuchen sollte mein Leben ins Klischee zu quetschen, weil ich mich dann vielleicht besser fühlen würde und ich will mit 70 schließlich nicht alleine sein. Aber gleichzeitig krampfte mir der Magen, weil ich meine Freiheit nicht aufgeben wollte.
Ein weiterer Aspekt mit dem Andere vielleicht Probleme haben, ist das äußerliche Älter werden. Auf mich tifft das bisher nicht zu, da ich schon immer viel jünger aussehe. Teils werde ich um 10 Jahre jünger oder mehr geschätzt und ich musste des öfteren auch meinen Ausweis vorzeigen. Wenn man jung ist nervt es einen wenn man den Ausweis vorzeigen muss, aber glaubt mir, ihr werdet es schmerzlich vermissen wenn das nicht mehr passiert. Aber anstatt mich gut zufühlen weil ich für jünger gehalten wurde, war ich beschämt. Es war wie ein Tritt ins Gesicht, dafür nicht für voll genommen zu werden.

Der Weg geht nach oben

Letztes Jahr im November kam für mich dann aber der Punkt an dem ich wusste, dass es so nicht weitergehen konnte. Ich hatte mich bis dahin sehr zurückgezogen, bin wieder in meine Essstörung gerutscht und fühlte mich nur Daheim oder bei meiner Oma wohl.
Ich hatte kurz davor einen Beitrag von Stylepeacock gelesen in dem sie darüber schreibt wie toll es ist 50 zu werden. Und plötzlich kam mir der Gedanke: “Verdammt, und du jammerst und blockierst dich selber, weil du es schlimm findest ü30 zu sein? Get your life together!”. Und das war dann auch der Start zurück zu mir selbst und zu akzeptieren das es nicht von heute auf morgen funktioniert. Ich habe angefangen auszumisten und einen realistischen Plan für 2017 zu erstellen. Ich weiß das ich keine 20 mehr bin und will es auch nicht mehr sein. Mir sind Dinge wie Versicherungen und ein geregelter Haushalt wichtig. Bevor ich verreise plane ich nun viel genauer und meine Ratten haben ihre eigene Spardose (welche jedoch sehr geleert wurde nach den vielen Tierarztbesuchen). Und noch bin ich nicht ganz raus. Ich habe immer noch Tage, besonders wenn etwas nicht so läuft, an denen ich wieder zurück ins Loch fall oder zumindest sehr dicht am Rand stehe. Aber ich will mir nicht mehr selbst im Wege stehen und mein Leben so leben wie ich es will.

Und ja es ist ein Beitrag in dem ich über das Altern jammere. Aber ich kann doch nicht die Einzige sein der es so oder ähnlich geht? Wobei es ja nicht die Zahl an sich ist, sondern was man mit ihre verbindet und was von einem erwartet wird. Das verrückte ist das ich schon mein ganzes Leben gegen den Strom geschwommen bin und damit auch Erfolge hatte. Auch auf das Risiko hin das ich mich in 10 Jahren für diese Entscheidung verteufel, ist es für mich der gesunde Weg.

Hier verlinke ich euch noch ein Video in dem 100Jährige und Ältere über ihr Leben sprechen. Und Alle sprechen positiv darüber, obwohl sie die Generation sind die 2 Weltkriege (oder die Folgen) erlebt haben.

1 Comment

  1. 20. February 2017 / 6:22 AM

    Guten Morgen Rebecca,

    danke für diesen ehrlichen Beitrag!
    Deine Einstellung finde ich verdammt gesund. Gesellschaftliche Erwartungen – wayne. Viel wichtiger ist doch, dass man selber mit einem guten Gewissen auf sein Leben zurückblicken kann und das getan hat, was man selbst für richtig gehalten hat.

    Gerade letzte Woche bin ich 30 geworden und es fühlt sich wirklich etwas komisch an, diese Zahl zu sehen. Ebenso merkwürdig wie die ersten kleinen Fältchen im Gesicht. Mir geht es da nämlich so ähnlich wie dir, ich werde auch oft für jünger gehalten und musste noch mit Mitte zwanzig des Öfteren an der Supermarktkasse meinen Ausweis vorzeigen. Es ist irritierend, dann doch sichtbar älter zu werden.

    Ironischerweise erfülle ich fast alle Kriterien dieser “30er-Checkliste” – erfolgreich im Job, geheiratet, Haus gebaut, bäm. Was allerdings erst recht dazu führt, dass ich dauernd gefragt werde, wann “es” denn soweit sei. Das versetzt mir jedesmal einen Stich, da mein Mann und ich keine Kinder haben können. Und selbst wenn, so etwas Persönliches wie die Familienplanung würde ich sicherlich nicht mit Hinz und Kunz besprechen wollen. Dennoch scheinen es selbst entfernteste Bekannte für ganz selbstverständlich zu halten, danach zu fragen. Das nervt, wirklich. Und tut weh. Und befeuert diese nagende Angst, etwas ganz Entscheidendes im Leben zu verpassen und irgendwann allein zu sein- :/

    Wie dem auch sei, stellenweise bin ich tatsächlich froh, mittlerweile ein gewisses Alter und damit einhergehend eine gewisse Lebenserfahrung zu haben. Mich werfen bestimmte Dinge nicht mehr so sehr aus der Bahn wie noch vor fünf oder zehn Jahren. Ich kann mit schwierigen Situationen besser umgehen und versuche, einiges gelassener anzugehen und mit mir selber nicht mehr so hart ins Gericht zu gehen. Das sind Dinge, die ich am Älterwerden tatsächlich schätze – auf einer persönlichen Ebene zu wachsen und zu reifen.

    Liebe Grüße
    Anne

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